Parodieren geht über Studieren

Eine Übung im Bereich der Neueren Deutschen Literaturwissenschaft
an der Universität Augsburg
unter Leitung von Dr. Friedmann Harzer

Jedes Töpfchen find sein Deckelchen oder Unmut in der Küche

(Laura Montie)

Ein Topf heiratet einen Deckel. Sie feiern eine rauschende Hochzeitsnacht. Erst kochen sie Reis, dann dünsten sie Zwiebeln und schließlich probieren sie es mit einer tiefgefrorenen Fertigmischung aus Nudeln, Hack und Bechamel-Soße.
Nach einigen Wochen friedlichen aufeinander Liegens, munterem Stahlgeklappere und Schäumen im anitbakteriellen Wasserbad zeigt sich das Resultat ihrer ausgelassenen Brutzelwut. Sie bekommen einen Dämpfeinsatz. Seitdem gibt es für den Topf nur noch Wasser und für den Deckel nur noch Dampf und Tränen, während der Einsatz alles absahnt, jedoch nicht im wahrsten Sinne des Wortes. Denn ab jetzt wird nur noch Kalorienarmes und Gesundes gegart. Wie zum Beispiel Sprossen, Keime und Seetang.
Eines Tages spricht der Deckel zum Topf: " Du Topfi, ich fühle mich vernachlässigt, du kümmerst dich nicht mehr um mich, ich interessiere dich eine verbrannte Pampfe!"
Worauf der Topf: "Aber liebste Deckli, was soll ich denn tun? Ich komm doch überhaupt nicht mehr an dich ran! Seit der kleine Dämpfi da ist, hast du nur noch Augen für ihn!" Deckli wendet sich beleidigt ab. Topfi scheppert wütend vor sich hin. Schließlich beginnt Dämpfi zu heulen und zu schreien. Auch Deckli weint leise, nur Topfi scheppert und rumpelt wie von Sinnen hin und her. Bis am Ende das ganze Kochgerät zu Boden stürzt und den Protagonisten Henkel, Knaufe und Schrauben abspringen. Was jetzt noch kommt ist altbekannt. Entweder das Verrosten auf der Müllhalde oder ein einsames Dasein in einer winzigen, schmuddeligen Küche eines Prekariatlers, der eines der einst guten Stücke für nen Euro oder 50 Cent am Flohmarkt ergattert hat.
Drum merke: nicht immer bringen Dämpfeinsätze Segen!
Oder: fette Hausmannskost schützt!