Parodieren geht über Studieren

Eine Übung im Bereich der Neueren Deutschen Literaturwissenschaft
an der Universität Augsburg
unter Leitung von Dr. Friedmann Harzer

Der König ist Tot - es lebe der König!

(Markus Arnold)

Kenwood trällerte im Dache sein Lied. Kanal C. Folk-Night. Rocky Votolato. Nicht fern von ihm, doch näher der Welle, tönte ganz ähnlich der große Telefunken. Rockantenne. Metal-Night. Iron Maiden. Da bemerkte der Telefunken den Kennwood und schrie: "bring your daugther, bring your daugther, to the slaughter!". Darauf erschrak der kleine Radio und wusste gar nicht, was zu sagen. "Please, slow it down!" rauschte er ganz verstört. "…all I wanna do is turn around! ". Doch da hatte der böse schwarze bereits ganz andere Pläne und schmetterte mit metallener Stimme irgendetwas von "raise your fist". Wollte er zum Kampfe fordern? Oder wollte er den schüchternen Kenny, wie ihn seine Freunde liebevoll nannten, nur provozieren? "Please, slow it down! … I´m going down to sleep on the bottom of the ocean…" erwiederte ängstlich klein Kenny. Ihm fiel die Geschichte seines schottischen Urgroßvaters MC.Agnus ein und wie dieser damals im Kampfe gegen den fremden CD.Lupus tragisch von der Bildfläche verschwand. Doch plötzlich, er wollte sich schon auf den Weg zum Meeresgrund machen, änderte der Bösewicht seine Stimme. Nicht weniger scharf rief er irgendwas von: " Mama, 80% … Jubiläum… mehr sog i ned!". Da kam Kenny die Einsicht. "Nicht-bewältigter Ödipus Konflikt. Dazu noch eine narzisstische Störung aus der analen Phase mit latenter aggressiver Tendenz. Alles klar. Schwere Kindheit also. Dann kann man so etwas verstehen." Rocky Votolato war mittlerweile auch verstummt. Die Stimme von M.Ward frug ganz direkt: "what do you do with the pieces of a broken heard?" Doch so leicht sollte es ihm nicht gemacht werden. Telefunken erwiderte schlagfertig: "Carglas repariert, Carglas tauscht aus." Und plötzlich war da noch eine Eisprinzessin mit einer für eine Prinzessin gar ungewöhnlichen Stimme. Sie versuchte witzig zu sein, doch vergeblich. Kenny erkannte, dass Volumen und Tieftöner nicht alles im Leben sind und er wurde sich seines wahren Talents bewusst. Sein Rauschkomplex schien plötzlich verschwunden. So erzählte er seinen Lieblingswitz vom Lamm und dem Wolf. Eisprinzessin gefiel das gar nicht. Sie rief zum "Holy War" und murmelte was von "fighting the world".
Doch da, wie aus dem Nichts, erschien der Radiobesitzer und zog den Stecker des großen Schwarzen. Kenny jubelte und konnte es kaum fassen! Auch Rufus Wainwright jubilierte. Hallelujah. Hallelujah!
Doch dann, plötzlich, unerwartet, hinterrücks und heimtückisch… zog werter Herr Radiobesitzer auch Kennys Stecker. Damit nicht genug! Während des Ziehens stolperte er über das Kabel und stieß Kenny vom Schrank! Der stürzte, fiel und … schlug hart auf die Front! Plastik knackte, Federn sprangen. Genickbruch. Tot! Er hatte Kenny getötet! Kurze Stille… doch dann leise von hinten links ein Rauschen und ein rotes Leuchten. Der Telefunken war noch immer da! Er hatte Batterien! Schadenfrohes Lachen hallte fast unheimlich durch den Raum und er schallmaite die Siegeshymne.
Doch was war das? "Herzilein, du sollst nicht traurig sein…". Voksmusik? Dann plötzlich Stefan Mross und der ganze Clan im Chor: " Servus, Pfüagod und auf Wiedersehn…".
Die Batterien waren verkehrt herum eingelegt und der Telefunken spielte die Musik rückwärts! Das war nun wahrlich satanisch. Später stellte sich heraus, dass Ozzy Osborn im wirklichen Leben Karl Moik war und Lenny von Motörhead Florian Silbereisen! Deswegen auch so oft lange Haare im Musikantenstadel! Die letzte zu klärende Frage betrifft nun Hansi Hinterseer. Wer verbirgt sich hinter diesem Held mit der Fönfrisur? James Hetfield?
Vielleicht wird man es nie erfahren. Eines der letzten ungeklärten Fragen des Universums. Und die Moral? Leitet sich auch nur ab von mos, moris (lat.): Sitte, Brauch. Und wenn Volksmusik nichts mit Brauchtum (eng verwand mit Missbrauch) zu tun hat, dann weiß ich auch nicht mehr. In diesem Sinne, Keep on rockin!