Parodieren geht über Studieren

Eine Übung im Bereich der Neueren Deutschen Literaturwissenschaft
an der Universität Augsburg
unter Leitung von Dr. Friedmann Harzer

Das Jungschaf und der böse Wolf

(Tobias Krüger)

Ein Jungschaf wollt am Bache trinken
und hängt die Zunge in die Wellen.
Weiter oben an den Quellen
sieht es den Wolf hinunterwinken,
Der beim Jungschaf schwer moniert,
dass dessen Schnauze - ungereinigt -
sich mit dem kühlen Nass vereinigt
von dem der Wolf grad selbst probiert.
Das Jungschaf weiß genau bescheid;
wie man's in jeder Fabel lese:
DER WOLF - er ist von Grund auf böse
Doch steht ein Argument bereit:
"Selbst wenn ich stünde Euch noch näher...
Ich sage es ganz unumwunden,
Wasser fließet stets nach unten...
und Ihr, mein Herr, steht doch viel höher."
Der Wolf will von Physik nichts wissen,
weiß nur, dass er des Lamms Papa
gerissen einst mit Haut und Haar,
dieweil das Lamm ihm war entrissen.
Der Wolf tut so, als könnt man ihn beschämen:
Er wär den Schafen stets verhasst,
das wär ihm eine seelisch Last
und Rache wollt er dafür nehmen!
"Tot oder nicht tot?"
Der Wolf will Shakespeare parodieren,
auch vor der Antwort sich nicht zieren.
Des Jungschafs Fell es färbt sich rot.
Wer keine Argumente findet
muss den Disput nicht gleich verlieren.
Er wird mit Zähnen debattieren,
bis Widerstand er überwindet.