Parodieren geht über Studieren

Eine Übung im Bereich der Neueren Deutschen Literaturwissenschaft
an der Universität Augsburg
unter Leitung von Dr. Friedmann Harzer

Hass

(Florian Vogler)

Ein Mantel des Düsteren hat sich auf mein Gemüt geschlagen, wie sauren Regentropfen, die ich noch gestern genießen durfte. Ich stehe nun hier, vor diesem Haus, das wie geschaffen ist, dem Dunkel den Kampf anzusagen. Ich bin so unbeschreiblich sauer, Freundchen, noch total vom sauren Regen durchflossen, dass mein Verständnis, du entschuldigst, darunter leider etwas zu kurz kommt. Ich könnte jetzt nichts zu dir sagen, nicht ein Wort, und doch sind mir noch nie so viele Worte - ganz entzückende Worte - auf einmal eingefallen als in diesem verdammten Augenblick. Wenn die laute Bundesstraße um mich braust, und die wohlriechenden Wolken der Abfallverwertungsanlage sanft den unendlichen Raum über mir verschließen, und nur das Licht der Straßenlaterne, die um zwölf Uhr mittags umsonst ihre Strahlen vergeudet, es zu mir schafft, ich dann auf dem engen Gehweg neben der Baustelle vor dem rostigen Gartentor stehe, und näher am Tor viele abgeschabte Buchstaben sich mir als dein Name entdecken; wenn ich das unabdingbare Drängen dieser kleinen Welt, den Betonmischer, die unaufhörlich polternden Presslufthammer, das musikalisch erheiternde Lied des Rettungswagens direkt hinter mir an meinen Ohren fühle, und denke nach, mein Gehirn rastet aus, denke nach, wie alles läuft seinen Lauf und wie - Freundchen! Wenn's mir dann wieder dämmert, wenn das Bild der Zerstörung wieder ruht in meinen Gedanken wie ein 40-Tonner auf einer Ameise - dann sehne ich mich: wär' bloß nicht auf dieser Straße gefahren, könnte alles rückgängig gemacht werden, hätt' ich es bloß nicht da abgestellt, an der falschen Stelle, hier! Würde alles zum Guten sich wenden und der Lack ein glänzender Spiegel für die sengende Sonne - Vollidiot! - Wegen dir hab' ich jetzt so einen Hass, auf dich, wieso hast du mir - verdammt noch mal - meinen Außenspiegel abgefahren!?